Sponsorenfenster (Info)

gruengelborange
Sportkurse in Liechtenstein. Hier werden sie gesammelt präsentiert. Wenn Sie einen Kurs anbieten, können Sie ihn hier kostenlos eintragen.
In Liechtenstein sind viele und ganz unterschiedliche Sportvereine zu Hause. Welche das sind, sehen Sie in diesem Bereich. Sie werden hier fündig!
Seien es Vitaparcours, Hallenbäder oder Tennisanlagen. Liechtenstein bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten in der Freizeit Sport zu treiben.
< The Royal Dancers Liechtenstein
11.01.2013 ,  09:41  Uhr, Alter: 7 yrs
Kategorie: Interviews
Von: Philipp Ott

Interview mit Metin Kayar - Budokan


Metin Kayar ist mehrfacher Weltmeister in verschiedenen Disziplinen des Kampfsportes und hat sein Können schon mehrfach bei den grössten Kampfsport-Weltverbänden unter Beweis gestellt. Schon mehrmals gewann er die grössten Turniere der Welt. Im September 2011 erreichte Metin Kayar eine der höchsten Auszeichnungen für einen Kampfkunstmeister. Im ältesten historischen Trainingszentrum Butokuden in Japan nahm er den "Nippon Seibukan Academy Award" entgegen. Sein Wissen gibt Metin Kayar in seinen Lektionen in Liechtenstein weiter. Einen so grossen Kampfkunstmeister in Liechtenstein zu haben freut sportlich.li sehr.

 

sportlich.li: Aus Fernsehen und Filmen ist Kampfsport sehr bekannt und beliebt. Warum gibt es so viele verschiedene Art und Weisen des Kämpfens? Warum gibt es hier keine Einheit?

Wenn der wirkliche Kampf analysiert werden soll, müssen seine Wurzeln zurückverfolgt werden bis zu den Anfängen der Menschheit. Der Kampf war ursprünglich an erster Stelle bewaffnet, sein Ziel war klar zu überleben. Erst nach Verlust der Waffe kamen Selbstverteidigungs Techniken zum Einsatz, welche sowohl gegen bewaffnete als auch unbewaffnete Gegner funktionieren mussten. Japan und China trug stark zur Entwicklung der traditionellen Selbstverteidigungstechniken bei, indem das Wissen von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Mit der Modernisierung wurde der Kampf zersplittet. Die Eigenschaft der drei Distanzen spezialisierten sich zu den verschiedenen Kampfsportarten, die heute existieren.

Diese neuen Stile unterteilten sich erneut mehrfach und so wurden eigene Namen von Stilrichtungen und neue Verbände gegründet. Die USA hat grossen Beitrag dazu geleistet, dass die Popularität des modernen Kampfsports (z.B. Kickboxing) erhöht wurde. Dies alles trägt dazu bei, dass weltweit der Kampfsport immer unübersichtlicher wurde.

Wo positioniert sich Liechtenstein im Kampfsport und im Kampfkunstbereich?

Kampfsport ist ein System welches nur in Beachtung gewisser Regeln funktioniert, diese dienen der Ordnung auf der Austragungsfläche. Die Gegner können sich gegenseitig messen und übrig bleibt der Kampf um eine Trophäe. Die Techniken werden den jeweiligen Regeln des Sports angepasst und verlieren so ihren ursprünglichen Sinn der Selbstverteidigung. Im Kampfsportbereich haben in Liechtenstein manche Kampfsport-Vereine international schon grosse Erfolge verzeichnet. Obwohl ich selbst ebenfalls sehr erfolgreich war, habe ich realisiert, dass man im Kampfsport ab einem gewissen Alter nicht mehr wird mithalten können. Was mir aber wirklich die Motivation gegeben hat, mich im Kampfkunstbereich zu spezialisieren, ist, dass die wahre Philosophie des Kampfes in den Regeln des Sports leider verloren geht. 

Der echte Kampf jedoch ist um einiges komplexer, da keine Regeln existieren. Um im echten Kampf zu bestehen erfordert es ein Kampfkunst-Wissen und die perfekten Techniken, welche sich über Jahrhunderte als einzigartig und unbesiegbar herauskristallisiert haben. Kampfkunst ist ein überliefertes System der wahren Kriegstechniken sowie ihrer Philosophie, welche die massvolle Bestrafung des Gegners vorsieht, je nach Härte seines Angriffes. Die geeigneten Techniken wurden auf dem Schlachtfeld unter höchster Lebensgefahr erprobt und entwickelt. Über Generationen von gut ausgewählten Meister-Schüler Beziehungen wurden diese Geheimnisse der Kriegskunst dann gelehrt und weitergegeben. Ich besitze das Wissen und die Ehre, einer dieser Meister zu sein und es ist mir eine Freude, mein Wissen mit meinen Schülerinnen und Schülern und auch anderen Kampfsportlern zu teilen.

Welche Philosophie steckt dahinter?

Absolut im Zentrum steht die Menschlichkeit. Durch die professionell gelebte Meister-Schüler-Beziehung wird die Friedfertigkeit und die in der Quelle der Kunst liegende Effektivität in den Vordergrund gestellt. Wenn ich als Meister bei einem Vorgespräch heraus spüre, dass jemand das erlernte Wissen mit seinem Charakter ins Negative kehren könnte, so dass er zum Beispiel seine Macht gegenüber Schwächere ausspielen möchte, würde ich ihn niemals unterrichten. Ich verlasse mich als Meister auf meine psychologischen und kommunikativen Kenntnisse im Umgang mit den Menschen, um einem Missbrauch vorzubeugen und meine Schülerinnen und Schüler positiv entwickeln zu lassen. Die vermittelten Grundwerte, wie Respekt, Disziplin, Mut, Geduld, Durchhaltevermögen, Loyalität, Fleiss und auch Spass begleiten mich sowie meine Schülerinnen und Schüler vom Jüngsten (5-jährig) bis zum Ältesten (75-jährig) ständig. In allen Altersstufen und allen fünf Kampfkünsten wird das geistige und körperliche Wohlbefinden und somit auch die Gesundheit bis ins hohe Alter angestrebt.

Was ist dein Zielpublikum?

Kinder von heute, sind Erwachsene von morgen! Die Kinder sollen traditionelle Kampfkunst mit wahren menschlichen Werten als Basis vermittelt bekommen. Sie sollen ihre Energie sowohl körperlich als auch geistig bündeln lernen und so wird es ihnen möglich sein, ihre Konzentrationsfähigkeit und Leistungsfähigkeit auch in der Schule zu steigern.

Jugendliche gewinnen mit der traditionellen Kampfkunst Anerkennung unter ihresgleichen, insbesondere über gegenseitigen Respekt und Disziplin. Sie brauchen sich nicht mehr über Zigaretten oder Drogen zu beweisen. Durch die traditionelle Kampfkunst lernt sich ein Jugendlicher erst mal mit sich selbst zu messen und Selbstvertrauen zu gewinnen, bevor er sich dann durch sportliche Erfolge mit anderen messen kann.

Erwachsene brauchen die Prinzipien der traditionellen Kampfkünste, um im Alltag die Probleme besser lösen zu können. Diejenigen Eigenschaften, welche im Schlachtfeld wichtig waren, wie Strategie, Vorsicht, Reaktionsfähigkeit und korrektes Timing führen auch im heutigen Geschäftsleben zu anhaltendem Erfolg. In Japan trainieren heutzutage Geschäftsleute traditionelle Kampfkünste, um dann die studierten Techniken und Prinzipien im Berufsleben wieder einzusetzen.

Als viertes Zielpublikum können bei mir sowohl ehemalige als auch aktive Kampfsportler ihre Reaktionsfähigkeit, ihre Aufmerksamkeit im Kampf sowie ihr korrektes Timing durch das Training der traditionellen Kampfkünste um ein vielfaches präzisieren und vertiefen. Die Effektivität dieser Vertiefung kann man an meiner eigenen Kampfsportkarriere der letzten 10 Jahre ablesen. Meine persönliche Empfehlung für Wettkampf-Kickboxer wäre zum Beispiel das Training in der Schwertkampfkunst, da diese Kampfkunst unumstritten die höchste Reaktionsfähigkeit und Schnelligkeit erfordert. Wenn das Auge trainiert ist die Schnelligkeit einer Schwertklinge zu erkennen, wie einfach wird es dagegen sein, eine menschliche Bewegung zu sehen. Als Ergänzung für Karatekämpfer würde ich Jujutsu empfehlen, damit sie alle Dimensionen der Verteidigung in der nahen Distanz auch selbst erfahren können. Aikido Praktizierende würden meiner Meinung nach von Schwert- und Waffenkampfkunst mit Langstock profitieren, um ihrer Kunst eine zusätzliche Dimension zu verleihen.

Was ist dir besonders wichtig, was möchtest Du deinen Schülerinnen und Schülern weitergeben?

Ich möchte Leuten, welche eine traditionelle Kampfkunst erlernen möchten, diese auf höchstem Niveau beibringen. Ich bin offen, die jahrhundertealten Geheimnisse mit meinen Schülerinnen und Schülern zu teilen, aber nur, wenn ihr Charakter bzw. ihre Gesinnung den oben erwähnten moralischen Grundwerten entspricht.

Es ist mir ein Anliegen, jede Altersstufe so zu unterrichten, dass sich die Schüler effektiv und erfolgreich verteidigen können. Bei jüngeren Schülerinnen und Schülern liegt der Schwerpunkt dabei eher auf Techniken, welche gute konditionelle Voraussetzungen und eine gewisse Muskelstärke voraussetzen. Die älteren Schülerinnen und Schülern hingegen profitieren eher von ihrer Lebenserfahrung, ihrer Geduld, ihrem Durchhaltewillen, sowie der erarbeiteten Präzision in der Technik. Sie lernen sich durch das schnelle Erkennen der Schwachstellen ihres Gegners erfolgreich zu verteidigen.

Metin, was ist dein persönlicher Traum?

Mein Traum ist es, die japanischen traditionellen Kampfkünste in Liechtenstein populär zu machen und so zur Verbreitung dieses äusserst wertvollen menschlichen Kulturerbes beizutragen.

Mein Traum ist es auch, dass unser im Grunde sehr friedliches kleines Land Liechtenstein Kampfkunst auf allerhöchstem Weltklasseniveau bieten kann und so zur Verbreitung dieser friedfertigen Selbstverteidigungskunst auf der Welt beitragen soll.

Vielen Dank für das Interview, Metin!